Radfahren in den Morgen

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Die Sonne ist noch nicht aufgegangen.

Die Reifen meines Fahrrades schmatzen über den unbefestigten Weg, der durch den dunklen Wald führt. In der Ferne höre ich die stark befahrende Autobahn, über mir, im Blätterdach, schreien sich die Singvögel ihre Stimme aus dem Leib, während sich mein keuchender Atem in diese Kakofonie von Geräusche vermischt.

Ich fahre schon eine Zeitlang dem ausgefransten gelben Lichtfleck hinterher, der sich, von meiner Lampe nach vorne geworfen, beharrlich immer im gleichen Abstand vor meinem Fahrrad befindet. Dann habe ich den kleinen Wald hinter mir, die Landschaft öffnet sich vor mir.

Rechts erstrecken sich Rapsfelder bis zum Horizont, in der Ferne winken mir Windräder zu. Über mir flattert eine kleine Version von Batman seinem Unterschlupf entgegen, während sich der Himmel langsam dunkelblau färbt. Im Osten gesellt sich ein blasses Rosa hinzu.

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Es ist kurz vor 5 Uhr morgens. Meine Gedanken schweifen zurück an den gestrigen Tag:

Da hatte ich im Fernsehen einen Marathon gesehen. Begleitet wurden die Läufer von Helfern auf Rädern. Das brachte mich auf die Idee, selbst wieder Fahrrad zu fahren. Also ging ich in den Keller und holte aus der hintersten Ecke mein verstaubtes Rad zu Tage. Mit einem feuchten Lappen und einer guten Luftpumpe brachte ich es wieder in einem ansehnlichen Zustand.

Am nächsten Morgen dann stand ich sehr früh auf, meine Familie schlief noch. Ich machte mir einen Kaffee. Da ich keinen Halter am Rad habe, klemmte ich mir den Isolierbecher zwischen Bauch und Schlüsselgurt. Dann ging es hinein in den Morgen…

Mittlerweile bin ich an meinem Ziel angekommen. Eigentlich wollte ich ja noch weiter, allerdings habe ich mich mit der Zeit verschätzt. Wenn ich pünktlich um 6.30 Uhr in meinem Büro sitzen wollte, musste ich gleich umkehren.

Aber ich nehme mir die Zeit, den Kaffee und die Ruhe hier oben zu genießen.

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In der Ferne zieht sich das Lichterband der Autobahn mittlerweile fast lautlos dahin. Über mir sehe ich, die Sterne sind schon verblasst, den Planeten Jupiter und Mars am Firmament leuchten; der Halbmond ist nicht weit entfernt.

Der Osthorizont wird immer farbiger, das Rot nimmt an Intensität ständig zu.

Mein Kaffee ist leer.20180508_051925-01_resizedIch setze mich wieder aufs Fahrrad und fahre nach Hause. Dort angekommen ergießen sich die ersten Sonnenstrahlen über die obersten Baumwipfel. Ich schleiche mich ins Haus, meine Familie schläft noch immer.

Die Dusche ruft.

 

An solche Starts in den Tag könnte ich mich glatt gewöhnen…